Blog | Barrierefreiheit als Chance – Resilienz und Wachstum im Seilbahnsektor

Barrierefreiheit als Chance – Resilienz und Wachstum im Seilbahnsektor

Barrierefreiheit als Chance – Resilienz und Wachstum im Seilbahnsektor
Marion Pichler 20. April 2026
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Am 30. März 2026 trafen sich Vertreter aus Südtirol und Tirol im NOI Techpark zum 15. Seilbahntag, um über die Zukunft der Branche zu diskutieren. In einem Jahr, in dem Tirol 100 Jahre Seilbahngeschichte und damit 100 Jahre Pioniergeist und Innovation feiert, wurde klar: Seilbahnen bewegen längst nicht mehr nur Menschen, sondern ganze Regionen und Lebensräume.

Im Fokus standen zentrale Themen wie die Entwicklung des Wintertourismus, die Rolle der Seilbahnen in der Mobilität von morgen und eine konsequente Umsetzung der Barrierefreiheit. Bereits bei den Eröffnungsreden von Helmut Sartori (Verband Seilbahnunternehmer Südtirol), Thomas Schroll (Innsbrucker Nordkettenbahnen GmbH), Rosmarie Pamer (Landesrätin für sozialen Zusammenhalt, Familien, Senioren, Genossenschaften und Ehrenamt), Marco Galateo (Landesrat für italienische Bildung, italienische Kultur, Handel und Dienstleistungen, Handwerk und Industrie) und Daniel Alfreider (Landesrat für Ladinische Bildung und Kultur, Infrastruktur und Mobilität) wurde deutlich, dass der Wintertourismus nach wie vor eine wichtige Rolle spielt. Menschen sehnen sich nach Bewegung, Natur und Erlebnissen und auch Skifahren bleibt beliebt. Die Nachfrage ist in Südtirol sogar leicht gestiegen (+1,8%), dank guter Infrastruktur und stabilen Rahmenbedingungen.

Doch es ging um weit mehr als Zahlen. Seilbahnen wurden als Lebensadern beschrieben, als Systeme, die nicht nur Tourismus ermöglichen, sondern den Alltag vieler Menschen erleichtern. Sie verbinden Täler, schaffen Arbeitsplätze und halten Dörfer lebendig. Wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung sollen dabei Hand in Hand gehen, mit dem klaren Ziel: Mobilität für alle zugänglich zu machen.

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Wintertourismus

Zwischen Resilienz und Wachstum

Andrea Macchiavelli (Dozent für Tourismusökonomie der Universität Bergamo & Fachexperte für alpinen Tourismus) zeigte durch seine Keynote „Wintertourismus - Zwischen Resilienz und Wachstum“ ganz klar, dass klassische Tourismusmodelle an ihre Grenzen stoßen. Es ist an der Zeit sich anzupassen und Veränderungen zu antizipieren. Während Skifahren stabil bleibt, verändern sich Nachfrage und Verhalten spürbar. Aufenthalte werden kürzer, Saisonen verschieben sich und neue Motive wie Kulinarik, Wohlbefinden und Events gewinnen an Bedeutung. „Die eine Saison“ oder „den einen Touristen“ gibt es nicht mehr. Vielmehr wächst der Druck zur Diversifizierung, klaren Positionierung und Zusammenarbeit. Sein Fazit: Wer im alpinen Raum bestehen will, muss Veränderungen nicht nur akzeptieren, sondern aktiv mitgestalten“.

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Inklusive Aufstiegsanlagen

Barrierefreiheit im Fokus

Ein besonders prägender Beitrag kam von Günther Ennemoser (Sozialgenossenschaft independent L. – Südtirol für alle) mit seiner Keynote „Inklusive Aufstiegsanlagen: Barrierefreiheit im Fokus“. Seine Aussage: „Man ist nicht behindert, man wird behindert“ lenkte den Blick weg von individuellen Einschränkungen, hin zu Verantwortung der Gesellschaft. Vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung und der Tatsache, dass viele Menschen im Laufe ihres Lebens für mehrere Jahre in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind, sei es durch Schwangerschaft, Verletzungen oder altersbedingte Veränderungen, wird Inklusion zu einem entscheidenden Qualitätsmerkmal im Tourismus. Barrierefreiheit beginnt dabei lange vor der eigentlich Seilbahnfahrt: bei Zugängen, Orientierung, Informationen und digitalen Angeboten. Gefragt sind ganzheitliche Lösungen, von barrierefreien Anlagen bis hin zu inklusiven Erlebnissen vor Ort.

Während schlecht geplante Maßnahmen neue Hürden schaffen können, bieten moderne Konzepte die Chance, Zugänglichkeit von Anfang an zu bieten. Südtirol positioniert sich klar und zeigt, dass Barrierefreiheit vor allem eins ist: eine Chance.

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In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass innovative Ideen oft an der praktischen Umsetzung scheitern. Projekte wie die geplante Standseilbahn zwischen Schenna und Dorf Tirol (Südtirol) zeigen, dass gute Ansätze nicht immer realisiert werden. Neben offenen Fragen zur Umweltverträglichkeit war vor allem die mangelnde Kommunikation und Einbindung der Bevölkerung entscheidend. Der fehlende Rückhalt führte letztlich dazu, dass das Projekt nicht umgesetzt wurde. Ein spannendes Gegenbeispiel ist die Nordkettenbahn in Innsbruck. Auch sie war anfangs bei Einheimischen umstritten, konnte sich jedoch durch klare Positionierung, sichtbaren Mehrwert und gute Kommunikation langfristig etablieren. Gleichzeitig wurde das Potenzial diskutiert, Seilbahnen stärker als öffentliches Verkehrsmittel zu etablieren – als effiziente, zeitsparende und zugleich erlebnisorientierte Mobilitätslösung.

Mein Fazit

Der Seilbahntag hat mir gezeigt, wie entscheidend ein offener Umgang mit Veränderung ist und wie viel Potenzial in dieser Branche steckt. Im Spannungsfeld von Innovation, gesellschaftlicher Verantwortung und Nachhaltigkeit liegt eine große Chance, den Alpenraum zukunftsfähig zu gestalten. Gute Ideen allein reichen nicht, es braucht auch eine gewisse Menge an Mut, sie umzusetzen.

ÜBER DIE AUTORIN

ÜBER DIE AUTORIN

Marion Pichler verbindet ihre Begeisterung für die Alpen mit ihrem beruflichen Weg. Seit 2026 ist sie Teil von VITALPIN und unterstützt im Office- und Projektmanagement nachhaltige Tourismusprojekte im Alpenraum. Zudem studiert sie Entrepreneurship & Tourismus am MCI und bringt ihre Perspektive aus Südtirol ein. Auf dem VITALPIN-Blog schreibt sie über aktuelle Entwicklungen und die Zukunft des alpinen Tourismus.

Vitalpin