Blog | Lead the Shift: Warum der BEAM Summit 2026 optimistisch in die Zukunft blicken lässt

Lead the Shift: Warum der BEAM Summit 2026 optimistisch in die Zukunft blicken lässt

Lead the Shift: Warum der BEAM Summit 2026 optimistisch in die Zukunft blicken lässt
Marion Pichler 2. Juni 2026

Lead the Shift“. Zwei Worte, die während des BEAM Summit 2026 in Bozen überall präsent waren. Auf den Bildschirmen. In den Gesprächen. Auf der Bühne. Nach zwei intensiven Tagen hatte ich das Gefühl, dass diese Worte weit mehr sind als nur ein Motto. Während viele Veranstaltungen darüber sprechen, wie sich Tourismus und Hospitality verändern, ging es bei BEAM darum, wie wir diesen Wandel aktiv mitgestalten können.

© Daniele Fiorentino
© Daniele Fiorentino

Was passiert, wenn wir unsere Geschichte verlieren?

Andreas Tuffentsammer, Hospitality Strategist, Michelin Star Chef & Founder Restaurant Hero, eröffnete seine Keynote mit der Frage die er sich damals gestellt hat: Was passiert eigentlich mit den Rezepten, Traditionen und Geschichten, die über Generationen weitergegeben wurden?

Während jedes Jahr enorme finanzielle Vermögenswerte vererbt werden, verschwindet gleichzeitig ein anderer Schatz oft unbemerkt: unser kulinarisches Erbe. Rezepte gehen verloren, wenn sie niemand weitergibt und mit ihnen verschwinden auch Erinnerungen, Traditionen und ein Teil regionaler Identität.

Kulinarik ist weit mehr als Essen. Sie erzählt Geschichten, schafft Identität und verbindet Menschen mit Orten. Gleichzeitig werden regionale Besonderheiten zunehmend von globalen Trends und standardisierten Konzepten verdrängt. Gerade deshalb kommt dem Tourismus eine wichtige Rolle zu. Denn Destinationen leben von ihren individuellen Geschichten, ihrer Kultur und ihren Besonderheiten.

"Die Gastronomie muss zum Geschichtenerzähler werden, der diese kulinarischen Erzählungen bewahrt und weitergibt."

"Die Gastronomie muss zum Geschichtenerzähler werden, der diese kulinarischen Erzählungen bewahrt und weitergibt."

Andreas Tuffentsammer, Hospitality Strategist, Michelin Star Chef & Founder Restaurant Hero - © Daniele Fiorentino

 

Zwischen Komfort und der Sehnsucht nach dem Besonderen

Einen völlig anderen Blickwinkel eröffnete Sabine Rogg, Managing Director Avantgarde Germany & Trendbüro. Besonders hängen geblieben ist mir ihr Gedanke, dass die Magie dort entsteht, „wo das, was wir als Produkt, Dienstleistung oder Erlebnis schaffen, einen Anschluss an das findet, was Menschen gerade bewegt.“

Genau darum ging es in ihrer Keynote. Sie zeigte auf, dass wir heute in einer Zeit leben, die von Gegensätzen geprägt ist. Menschen wünschen sich gleichzeitig Individualität und Zugehörigkeit, digitale Einfachheit und echte Erlebnisse, Komfort und Abenteuer. Was auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt, ist für viele längst Alltag geworden.

Besonders spannend fand ich ihre Überlegungen zum Spannungsfeld zwischen „frictionless“ (reibungslosen) und „frictionfull“ (konfliktgeladenen) Erlebnissen. Während digitale Prozesse immer einfacher und reibungsloser werden, wächst gleichzeitig die Sehnsucht nach Erfahrungen, die nicht vollkommen optimiert sind. Menschen suchen nach Erlebnissen, die sie fordern, überraschen oder emotional berühren. Vielleicht entsteht Erinnerungswert gerade dort, wo nicht alles perfekt durchgetaktet ist, sondern wo Begegnungen ungeplant passieren, Dinge Zeit brauchen oder man sich etwas bewusst erarbeiten muss.

Für Tourismus und Hospitality bedeutet das, dass es nicht darum geht, jedem Trend blind zu folgen. Viel wichtiger ist es, zu verstehen, was Menschen bewegt, um daraus Erlebnisse zu schaffen, die authentisch zur eigenen Destination, zum eigenen Betrieb und zu den eigenen Gästen passen.

"Für die nächsten Jahre sind wir gut beraten, wenn wir uns darauf einstellen, dass auch zwei gegensätzliche Dinge gleichzeitig wahr sein können."

"Für die nächsten Jahre sind wir gut beraten, wenn wir uns darauf einstellen, dass auch zwei gegensätzliche Dinge gleichzeitig wahr sein können."

Sabine Rogg, Managing Director Avantgarde Germany & Trendbüro - @ Daniele Fiorentino

©Daniele Fiorentino
©Daniele Fiorentino

2 BEAM Labs und 3 Masterclasses

Nach inspirierenden Keynotes und einem spannenden Panel Talk ging es weiter in die BEAM Labs und Masterclasses. Abseits der großen Bühne boten die Workshops Raum, um Themen zu vertiefen, Fragen zu diskutieren und gemeinsam neue Ideen weiterzuentwickeln.

Die Labs und Masterclasses unter anderem von Fraunhofer IAO, HGV und Euregio Plus boten spannende Inhalte:

  • I Feel Space – The Art Of Playfulness & Resonance: Spatial Experience In Hospitality
  • The 5 Trillion Dollar Business Case – Food As The Next Big Thing After The Internet
  • Future Hotel Projections 2035 Fraunhofer IAO – Hotels At A Turning Point: More Then A Place To Sleep
  • Hospitality: A Catalyst For New Food Development And Introduction
  • Innovations In Financing Hospitality Projects: From Equity Capital To Natural Capital
© Rosario Multari
© Rosario Multari

Abends im Schloss Maretsch

Begegnungen, Gespräche und neue Perspektiven

Den Ausklang des ersten Tages BEAM bildete die Abendveranstaltung im Schloss Maretsch. Nach einem Tag voller Impulse, spannender Diskussionen und neuer Denkanstöße bot sich hier die perfekte Gelegenheit, die Gespräche in entspannter Atmosphäre fortzuführen.

Bei gutem Essen, einem Glas Wein und angenehmer Musik entstanden genau jene Begegnungen, die den BEAM Summit so besonders machen. Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der Hospitality- und Tourismusbranche kamen miteinander ins Gespräch, tauschten Erfahrungen aus und diskutierten Ideen, die weit über die Inhalte der Bühne hinausgingen.

Gerade diese Momente zwischen den Programmpunkten machten für mich einen großen Teil des BEAM Summit aus. Denn oft entstehen die spannendsten Gedanken nicht während einer Keynote, sondern im persönlichen Austausch mit Menschen, die dieselbe Neugier und Begeisterung für die Zukunft der Branche teilen.

Mit neuen Perspektiven in den zweiten Tag

Der zweite Tag von BEAM startetet mit einem gemeinsamen Frühstück und damit genau so, wie gute Veranstaltungen oft weitergehen: nicht direkt mit der nächsten Präsentation, sondern mit Gesprächen, was vom Vortag noch nachwirkte. Nach den vielen Impulsen des ersten Tages, bot dieser Morgen, mit frischer Energie in den zweiten Veranstaltungstag zu starten.

© Rosario Multari
© Rosario Multari

Warum Reisen manchmal die beste Medizin ist

Nils Persson, CMO Visit Sweden, nahm uns mit in die Welt des Destinationsmarketings. Allerdings auf eine Weise, die man so nicht unbedingt erwartet. Im Mittelpunkt seiner Keynote stand die Kampagne „Schweden auf Rezept“. Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie überraschend: Schweden als Gesundheitsverschreibung. Denn immer mehr Menschen leiden unter Stress, Überlastung und den Auswirkungen eines hektischen Alltags. Gleichzeitig zeigen zahlreiche Studien, wie positiv sich Natur, Bewegung und bewusste Auszeiten auf das körperliche und mentale Wohlbefinden auswirken.

Genau hier setzte die Kampagne an. Statt Schweden als klassische Urlaubsdestination zu vermarkten, wurde das Land als eine Art natürliche Gesundheitsmaßnahme präsentiert. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten entstand sogar eine „Verschreibung“, die Menschen dazu ermutigt, mehr Zeit in der Natur zu verbringen, kulturelle Angebote wahrzunehmen und bewusst abzuschalten.

Besonders spannend fand ich dabei die zentrale Botschaft hinter der Kampagne: Erfolgreiches Marketing beginnt nicht bei der Destination selbst, sondern bei den Bedürfnissen der Menschen. Visit Sweden hat nicht einfach die eigenen Stärken beworben, sondern sich gefragt, welche Themen Menschen aktuell beschäftigen  und daraus eine kreative und authentische Geschichte entwickelt.

"The biggest risk in marketing is that you do something that nobody cares about."

"The biggest risk in marketing is that you do something that nobody cares about."

Nils Persson, CMO Visit Sweden -  © Rosario Multari

Gemeinsam mehr bewegen

Nach diesem Blick auf kreatives Destinationsmarketing folgte mit Benjamin Adrion, Initiator Viva con Agua und Villa Viva, eine Keynote, die noch einmal eine ganz andere Energie in den Raum brachte. Seine Geschichte zeigte, wie aus einer spontanen Idee eine internationale Bewegung entstehen kann, wenn Menschen sich mit einer Vision verbinden können.

Viva con Agua steht dabei nicht nur für soziales Engagement, sondern für eine Form des Mitmachens, die Freude, Gemeinschaft und Kreativität in den Mittelpunkt stellt. Besonders beeindruckend fand ich den Gedanken, dass Helfen nicht aus Schuld oder schlechtem Gewissen entstehen muss. Es kann auch aus Freude, Musik, Kunst, Sport und Begegnung heraus wachsen. Genau diese Haltung macht Viva con Agua so besonders. Wasser verbindet uns alle – unabhängig davon, woher wir kommen oder wie wir leben.

"Es geht immer um Freundschaften, es geht um Community, es geht um Miteinander."

"Es geht immer um Freundschaften, es geht um Community, es geht um Miteinander."

Benjamin Adrion, Initiator Viva con Agua und Villa Viva -  © Rosario Multari

Mein Fazit

Nach zwei Tagen beim BEAM Summit 2026 nehme ich vor allem eines mit: Die Zukunft der Hospitality wird nicht allein durch Technologie, Strategien oder neue Geschäftsmodelle gestaltet. Sie wird von Menschen gestaltet. Von Menschen, die den Mut haben, Gewohntes zu hinterfragen. Von Menschen, die neue Ideen ausprobieren. Und von Menschen, die verstehen, dass echte Gastfreundschaft weit mehr ist als ein perfekter Serviceablauf.

Genau darin liegt für mich die Stärke des BEAM Summit. Es geht nicht darum, fertige Antworten zu liefern. Es geht darum, neue Denkanstöße zu geben, Diskussionen anzustoßen und Menschen zusammenzubringen, die die Zukunft ihrer Branche aktiv mitgestalten wollen.

Ich verlasse Bozen mit vielen neuen Ideen, spannenden Begegnungen und der Überzeugung, dass Wandel nicht etwas ist, das auf uns zukommt. Wandel entsteht dort, wo Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, neue Wege zu gehen und den ersten Schritt zu machen.

Oder um es mit dem Motto des Summits zu sagen: Lead the Shift. Nicht irgendwann, sondern jetzt.

ÜBER DIE AUTORIN

ÜBER DIE AUTORIN

Marion Pichler verbindet ihre Begeisterung für die Alpen mit ihrem beruflichen Weg. Seit 2026 ist sie Teil von VITALPIN und unterstützt im Office- und Projektmanagement nachhaltige Tourismusprojekte im Alpenraum. Zudem studiert sie Entrepreneurship & Tourismus am MCI und bringt ihre Perspektive aus Südtirol ein. Auf dem VITALPIN-Blog schreibt sie über aktuelle Entwicklungen und die Zukunft des alpinen Tourismus.

Vitalpin