Blog | Vernetzt im Alpenraum: Warum Zusammenarbeit zur Schlüsselkompetenz wird

Vernetzt im Alpenraum: Warum Zusammenarbeit zur Schlüsselkompetenz wird

Vernetzt im Alpenraum: Warum Zusammenarbeit zur Schlüsselkompetenz wird
Marion Pichler 31. März 2026

Ein gemeinsamer Raum – viele Herausforderungen

Gleich zu Beginn betonte Landeshauptmann Peter Kaiser die Bedeutung des Alpenraums als gemeinsamen Handlungsraum. Ein Raum, der mehr als 80 Millionen Menschen in sieben Staaten umfasst. Was schnell klar wurde: Die Herausforderungen sind groß – Energie, Klimawandel, Mobilität, Ressourcen. Und keine davon lässt sich alleine lösen. Auch Sektionschefin Elfriede Moser brachte es auf den Punkt: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist kein „Nice-to-have“, sondern eine zentrale Voraussetzung für Entwicklung.

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Mobilität neu denken – zwischen Straße und Schiene

Ein Thema zog sich wie ein roter Faden durch den ersten Tag: Mobilität.

Patrick Skoniezki vom Land Tirol sprach über die Mobilitätswende im Alpenraum. Der Brennerbasistunnel, europäische Abstimmungen und die Zusammenarbeit im Rahmen von EUSALP zeigen: Mobilität ist längst kein regionales Thema mehr.

Besonders spannend: Die Frage, wie der Güterverkehr künftig organisiert wird.

Denn aktuell dominiert die Straße. Die klare Zielrichtung: mehr Schiene, weniger Emissionen, bessere Abstimmung über Grenzen hinweg. 

Studien zeigen dabei, dass Energieeffizienz im Verkehr nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern auch wirtschaftlich Vorteile bringt – etwa durch geringere Betriebskosten und weniger Abhängigkeit von Energieimporten.

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Energiewende: Zwischen Potenzial und Zielkonflikten

Ein weiterer Schwerpunkt: die Energiewende im Alpenraum. Christian Wankmüller formulierte es treffend: „Cooperation empowers Transformation.“ Doch genau hier wird es komplex. Denn im Alpenraum treffen viele Interessen aufeinander:

  • Energieproduktion
  • Naturschutz
  • Landwirtschaft
  • Tourismus

Die Herausforderung liegt darin, diese miteinander in Einklang zu bringen. Gleichzeitig wird deutlich: Der Alpenraum hat enormes Potenzial, nicht zuletzt als eine Art „Batterie Europas“, wie es Erich Dallhammer beschrieb. Mit Wasserkraft, Speicherlösungen und neuen Technologien könnte die Region eine zentrale Rolle in der Energieversorgung spielen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Bauen neu denken: Kreislauf statt Neubau

Auch die Bauwirtschaft steht vor einem Wandel. Christina Bauer vom Land Salzburg machte deutlich: Ein großer Teil der Emissionen und Abfälle entsteht im Bausektor. Die Antwort darauf: Kreislaufwirtschaft. Der Grundsatz „Umbau statt Neubau“ taucht dabei immer wieder auf. Und auch hier zeigt sich: Ohne Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft funktioniert es nicht.

Das bedeutet:

  • bestehende Gebäude weiter nutzen
  • Materialien wiederverwenden
  • weniger Fläche verbrauchen

 

Austausch, der bleibt

Neben den inhaltlichen Inputs spielten auch der Austausch eine große Rolle. Formate wie die „Alpine Dates  schafften Raum für Gespräche, neue Kontakte und Projektideen. Denn oft entstehen die besten Ansätze genau dort, nicht auf der Bühne, sondern im Dialog.

Tag 2: Vom großen Bild zur konkreten Umsetzung

Der zweite Tag startete mit den „Alpine Mini-Talks“ – kurze, prägnante Impulse. Ein Highlight: die Koralmbahn.

Sie zeigte, wie stark Infrastruktur den Raum verändern kann. Mit ihr wächst ein vernetzter Lebens- und Wirtschaftsraum für rund 7,8 Millionen Menschen im Alpe-Adria-Gebiet.

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Natur, Klima und Lebensraum

Auch Umwelt und Klimaanpassung stehen im Fokus. Besonders eindrücklich: das Beispiel des Bleistätter Moores am Ossiacher See. Ein ehemals genutztes Gebiet, das heute als natürlicher Filter und Lebensraum dient. Es zeigt, wie technische Lösungen und ökologische Ansätze zusammenwirken können. Gleichzeitig wird klar:
Klimawandelanpassung ist längst kein rein ökologisches Thema mehr, sondern betrifft auch Sicherheit, Planung und Infrastruktur.

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Gemeinden im Wandel

Ein weiterer spannender Blickwinkel kommt aus der kommunalen Ebene. Jasmina Steiner aus Lienz sprach über die Green und Digital Transition in Gemeinden. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern um: Zusammenarbeit zwischen Regionen, neue Formen der Wertschöpfung und die Frage, wie Digitalisierung sinnvoll eingesetzt werden kann.

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Neue Kompetenzen für neue Herausforderungen

Auch der Arbeitsmarkt verändert sich. Roland Hanak formulierte es treffend:
Green Skills werden zu Hard Skills. Gefragt sind künftig nicht nur Fachwissen, sondern auch: Kooperation, kreatives Denken und Vernetzung.

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Eine gemeinsame Vision als Grundlage

Zum Abschluss sprach Michael Roth über räumliche Perspektiven im Alpenraum. Seine zentrale Botschaft: Ohne gemeinsame Vision keine gemeinsame Entwicklung. Der Alpenraum ist vielfältig, genau darin liegen Chancen und Herausforderungen zugleich.

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Wenn Zusammenarbeit die Antwort ist – was ist die Frage?

Im World Café wurde genau das diskutiert.

Drei Fragen standen im Mittelpunkt:

  • Welche Zukunftsthemen erfordern verstärkte Kooperation?
  • Welche Akteur:innen und Formate braucht es dafür?
  • Welche Wirkungen sollen Programme künftig erzielen?

Und die Erkenntnis war eindeutig: Die großen Themen unserer Zeit lassen sich nur gemeinsam und vernetzt lösen.

Mein Fazit

Zwei Tage Villach zeigen vor allem eines: Der Alpenraum steht vor großen Veränderungen und gleichzeitig vor großen Chancen.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass:

  • Zusammenarbeit zur Schlüsselkompetenz wird
  • Themen nicht isoliert gedacht werden können
  • und echte Lösungen nur im Austausch entstehen

Ich nehme viele Impulse mit, aber vor allem das Gefühl, dass Veränderung möglich ist.

WENN WIR SIE GEMEINSAM GESTALTEN.

ÜBER DIE AUTORIN

ÜBER DIE AUTORIN

Marion Pichler verbindet ihre Begeisterung für die Alpen mit ihrem beruflichen Weg. Seit 2026 ist sie Teil von VITALPIN und unterstützt im Office- und Projektmanagement nachhaltige Tourismusprojekte im Alpenraum. Zudem studiert sie Entrepreneurship & Tourismus am MCI und bringt ihre Perspektive aus Südtirol ein. Auf dem VITALPIN-Blog schreibt sie über aktuelle Entwicklungen und die Zukunft des alpinen Tourismus.

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