Blog | VITALPIN beim Dein Winter. Dein Sport. Summit 2026

VITALPIN beim Dein Winter. Dein Sport. Summit 2026

VITALPIN beim Dein Winter. Dein Sport. Summit 2026
Maya An der Lan Hochbrunn 20. August 2026

Wie der Wintersport zukunftsfähig bleiben kann

Unter dem Motto „Wintersport 2050: Wandlungsstark & Zukunftssicher“ fand am 9. Juli 2026 im Kurhaus Fiskina in Fischen im Allgäu die sechste Ausgabe des Dein Winter. Dein Sport. Summits statt. Rund 250 Teilnehmende aus Sport, Tourismus, Bergbahnen, Wirtschaft, Politik und Medien diskutierten darüber, wie der Wintersport angesichts des Klimawandels, veränderter Freizeitgewohnheiten und steigender Kosten attraktiv und zugänglich bleiben kann.

Bereits am Vorabend gab es ein Summit Get-together in der Weltcup-Hütte am Ofterschwanger Horn. Mehr als 100 Teilnehmende kamen dort zusammen und wir wurden mit kurzen, spannenden Impulsen auf den Summit eingestimmt. Gleichzeitig bot der Abend Gelegenheit für persönliche Begegnungen, den Austausch über Länder- und Branchengrenzen hinweg und erste Gespräche über die Zukunft des Wintersports.

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Zwischen großer Bedeutung und wachsendem Veränderungsdruck

Zum Auftakt ordnete Prof. Dr. Ralf Roth von der Deutschen Sporthochschule Köln die aktuelle Situation des Wintersports ein. Die präsentierten Zahlen verdeutlichten zunächst dessen gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung: In Deutschland gibt es rund 7,2 Millionen aktive Skifahrerinnen und Skifahrer, 4,5 Millionen Langlaufende und etwa 800.000 aktive Snowboarderinnen und Snowboarder. Die jährlichen Konsumausgaben der Wintersportlerinnen und Wintersportler liegen bei rund 17 Milliarden Euro. Hinzu kommen etwa 800.000 Vereinsmitglieder, 2.870 Skivereine und 590 Skischulen.

Besonders relevant war auch die Frage, warum Menschen überhaupt Wintersport betreiben. Die vorgestellten Untersuchungen zeigen eine starke emotionale Bindung: Wintersport steht für Spaß, Genuss, Gesundheit, Naturerlebnis und gemeinsame Zeit. Für viele Menschen spielt er eine wichtige Rolle im Leben und ist Teil ihrer persönlichen Identität.

Diese emotionale Stärke ist zugleich die wichtigste Zukunftsressource des Wintersports. Angebote sollten daher nicht allein über Pistenkilometer, Schneehöhen oder technische Anlagen definiert werden. Gefragt sind Erlebnisse, die Bewegung, Gemeinschaft, Natur und persönliche Erinnerungen miteinander verbinden.

Dabei müssen auch klassische Begriffe und Strukturen weiterentwickelt werden. Aus einem Skikurs kann ein „Experience Camp“ werden, aus dem Verein eine Community und aus dem Wettkampf eine Challenge. Trainerinnen und Trainer werden stärker zu Coaches und Creators, Mitglieder zu Followern und Fans. Dahinter steht nicht nur eine neue Sprache, sondern ein verändertes Verständnis davon, wie besonders junge Menschen für Sport begeistert und langfristig gebunden werden können.

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Die Zukunft des alpinen Skisports

Das erste Panel beschäftigte sich mit der Zukunft des alpinen Skisports zwischen Weltcup, Urlaubserlebnis und Lifestyle. Viktoria Rebensburg, Anja Lämmerhofer, Reinhard Klier, Peter Mall und Thomas Reiter diskutierten, welche Faktoren bis 2035 über den Erfolg von Wintersportdestinationen entscheiden werden.

Ein gemeinsamer Befund war, dass Naturerlebnis, persönliche Begegnungen und emotionale Momente trotz aller technischen Veränderungen die größten Stärken des Wintersports bleiben. Der Skitag ist nicht nur eine sportliche Aktivität, sondern zugleich Urlaubserlebnis, Gemeinschaftserfahrung und Lifestyle-Produkt.

Digitalisierung und künstliche Intelligenz können Destinationen und Betriebe bei Planung, Kommunikation und Service unterstützen. Sie ersetzen jedoch nicht die persönliche Begegnung. Gerade weil viele Gäste im Urlaub Ruhe und Abstand von permanenter Erreichbarkeit suchen, müssen digitale Angebote gezielt eingesetzt werden. Technologie sollte Abläufe vereinfachen und das Erlebnis verbessern, sich aber nicht in den Vordergrund drängen.

Ein weiteres Thema waren langfristige Investitionen in Bergbahnen, Beschneiung und touristische Infrastruktur. Diese Anlagen stehen häufig unter besonderem Rechtfertigungsdruck, weil sie in der Landschaft deutlich sichtbar sind. Gleichzeitig bilden sie in vielen Regionen die Grundlage der touristischen Wertschöpfung. Notwendig sind deshalb eine offenere Kommunikation über Nutzen und Auswirkungen sowie ein nachvollziehbarer Ausgleich zwischen Naturschutz und touristischer Entwicklung.

Auch die Bezahlbarkeit wurde als entscheidender Faktor angesprochen. Höhere Preise können durch entsprechende Qualität gerechtfertigt werden. Wenn Skitage, Ausrüstung und Anreise jedoch für einen wachsenden Teil der Bevölkerung unerschwinglich werden, verliert der Wintersport potenzielle Gäste und Nachwuchs. Die Branche benötigt daher sowohl hochwertige Angebote als auch einfache und bezahlbare Einstiegsmöglichkeiten.

Zunehmend wichtig wird außerdem der Ganzjahrestourismus. Vorhandene Bergbahnen, Wege, Gebäude und Sportflächen sollten nicht nur im Winter genutzt werden. Erfolgreiche Destinationen müssen sich zu ganzjährigen Bewegungs-, Freizeit- und Begegnungsräumen entwickeln. Entscheidend ist dabei nicht allein, welche Region den meisten Schnee hat. Zukunftsfähig sind vor allem jene Destinationen, die aus den vorhandenen Bedingungen das überzeugendste Erlebnis machen.

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Junge Menschen für den Schneesport gewinnen

 

Im zweiten Panel stand die „Generation Winter“ im Mittelpunkt. Emily Wörle, Martin Nörl, Johannes Rydzek, Peter Schlickenrieder, Linus Straßer und Stefan Schwarzbach diskutierten, wie Kinder und Jugendliche langfristig für den Schneesport begeistert werden können.

Zentrale Voraussetzungen sind leicht zugängliche Angebote, positive Erfolgserlebnisse und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Kinder sollten zunächst verschiedene Sportarten ausprobieren können. Freude an der Bewegung und gemeinsame Erfahrungen müssen vor einer frühen Spezialisierung stehen. Gerade bis zum zwölften Lebensjahr ist es wichtig, Kinder im Schneesport zu halten, weil ein späterer Wiedereinstieg häufig schwierig ist.

Vorbilder aus dem Spitzensport können Begeisterung auslösen. Insbesondere Linus Straßer kritisierten jedoch die wachsende Distanz zwischen Profisportlerinnen und Profisportlern und ihrem Publikum. Auch Olympische Spiele würden teilweise stärker als kommerzielles und abgeschottetes Produkt wahrgenommen denn als gemeinschaftliches Sportereignis. Um junge Menschen zu erreichen, müsse wieder mehr Nähe entstehen.

Social Media kann Einblicke geben und Interesse wecken, ersetzt aber keine echte Bewegung und Begegnung. Vereine, Schulen und lokale Angebote bleiben zentral, da Kinder dort Sport erleben, Freundschaften knüpfen und Vorbilder kennenlernen.

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Schulen als Schlüssel für mehr Teilhabe

Der Programmpunkt „Lern-Ort Schule“ zeigte, wie der Wintersport Menschen unabhängig von ihrem familiären Hintergrund erreichen kann. Schulen können Bewegungskompetenzen vermitteln, Interesse wecken und Zugänge schaffen, die im privaten Umfeld möglicherweise fehlen.

Als Praxisbeispiel wurde ein Seminar des Gymnasiums Sonthofen vorgestellt. Schülerinnen und Schüler können dabei eine Level-1-Ausbildung absolvieren und unterschiedliche Berufsfelder aus Tourismus, Betriebswirtschaft, Ingenieurwesen und Wintersport kennenlernen. Während einer Wintersportwoche organisieren die Jugendlichen in Kleingruppen eigene Aktivitäten. Neben sportlichen Fähigkeiten erwerben sie dadurch Eigenverantwortung, Organisationskompetenz und ein besseres Verständnis der eigenen Stärken.

Mit „Deine Winter Woche“ wurde außerdem ein Angebot präsentiert, das Schulklassen einen strukturierten Einstieg in den Wintersport ermöglicht. Besonders erfolgversprechend sind Modelle, bei denen Schulen, Vereine, Skischulen, Skigebiete und weitere Partner ihre Ressourcen bündeln. Das Engagement des Gymnasiums Sonthofen wurde im Rahmen des Summits mit einem Award gewürdigt.

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Die Infrastruktur der Zukunft

Das dritte Panel nahm die „Hardware“ des Wintersports in den Blick. Tim Fritz, Daniela Maier und Dirk Scheumann diskutierten, wie Sportstätten und touristische Infrastruktur flexibel, nachhaltig und wirtschaftlich tragfähig gestaltet werden können.

Durch den Klimawandel werden geeignete Zeiträume für den Schneesport kürzer und schwieriger planbar. Neben langfristigem Klima- und Naturschutz braucht es deshalb kurzfristige Anpassungen. Nicht jedes Angebot muss auf einer perfekt präparierten Piste beruhen. Für viele Gäste sind das Naturerlebnis, gemeinsame Zeit und unkomplizierte Bewegungsmöglichkeiten mindestens genauso wichtig.

Gleichzeitig verändert sich das Nutzungsverhalten. Saisonkarten sind weniger selbstverständlich, während einzelne Skitage immer häufiger wie ein gezielter Freizeitparkbesuch geplant werden. Darauf müssen Regionen mit flexiblen Tickets, einfachen Buchungswegen und attraktiven Angeboten für Tagesgäste reagieren.

Als Leitidee wurde eine konsequente „No off-season“-Strategie formuliert. Infrastruktur sollte möglichst ganzjährig und für verschiedene Sportarten genutzt werden. Strecken können beispielsweise im Winter dem Skisport und im Sommer dem Mountainbike dienen. Hinzu kommen Wanderwege, Freestyle-Anlagen, urbane Snowparks und weitere Bewegungsangebote.

Solche Konzepte stärken nicht nur den Tourismus. Sie schaffen auch berufliche und persönliche Perspektiven für junge Menschen in den Regionen. Damit Nachwuchskräfte nach Ausbildung oder Studium zurückkehren, braucht es attraktive Arbeitsplätze, moderne Strukturen, Wertschätzung und Raum für neue Ideen.

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Von der Diskussion zur Umsetzung

Am Nachmittag wechselten die Teilnehmenden von den Panels in vier Zukunftswerkstätten. Dort ging es um die Zukunft der Skischulen, neue Wege für Training und Leistungssport, die touristische Wertschöpfung im Winter und die Frage, wie sich der Wintersport für eine neue Generation weiterentwickeln kann.

Die Ergebnisse flossen in das Mission Statement 2026 ein. Die zentrale Botschaft des Summits lautete: Die Zukunft des Wintersports wird nicht allein durch das Wetter bestimmt. Sie hängt davon ab, ob die beteiligten Verbände, Vereine, Schulen, Destinationen, Bergbahnen, Unternehmen und politischen Akteure gemeinsam handeln.

Fazit

Der Dein Winter. Dein Sport. Summit 2026 zeigte einen Wintersport, der unter erheblichem Veränderungsdruck steht, aber weiterhin über große gesellschaftliche, emotionale und wirtschaftliche Kraft verfügt. Klimawandel, steigende Kosten, Nachwuchsprobleme und veränderte Freizeitgewohnheiten lassen sich nicht ausblenden. Gleichzeitig eröffnen neue Technologien, ganzjährige Nutzungskonzepte, moderne Formen der Gemeinschaft und eine stärkere Zusammenarbeit neue Möglichkeiten.

ÜBER DIE AUTORIN

ÜBER DIE AUTORIN

Maya An der Lan Hochbrunn ist seit 2026 Teil des VITALPIN-Teams und begleitet im Office- und Projektmanagement Projekte für einen nachhaltigen Tourismus im Alpenraum. Dabei beschäftigt sie sich insbesondere mit dem Jahresthema „VITAMIN Alpen“, das die positiven Auswirkungen von Bergsport und Aufenthalten in den Bergen auf die Gesundheit beleuchtet. Nach ihrem Magisterstudium der Internationalen Wirtschaftswissenschaften an der Universität Innsbruck absolvierte sie ein Volontariat am AußenwirtschaftsCenter Peking, wo sie erste berufliche Einblicke in Tourismusthemen gewann. Die gebürtige Innsbruckerin reist gerne und hat durch ihre Arbeit zugleich ihre Begeisterung für die Natur und Vielfalt der Alpen neu entfacht.

Vitalpin