Blog | VITALPIN beim ersten Gesundheitskongress Tirol: Teil 2

VITALPIN beim ersten Gesundheitskongress Tirol: Teil 2

VITALPIN beim ersten Gesundheitskongress Tirol: Teil 2
Maya An der Lan Hochbrunn 6. August 2026

Gesundheit als Zukunftschance: Neue Aufgaben für Tourismus und alpine Regionen

Gesundheit entsteht nicht ausschließlich durch medizinische Versorgung. Sie wird im Alltag geprägt – durch Bewegung, Ernährung, soziale Beziehungen, psychische Stabilität und die Umwelt, in der Menschen leben.

Wie der erste Teil unserer Zusammenfassung des Gesundheitskongresses Tirol gezeigt hat, verfügt der Alpenraum dabei über besondere Voraussetzungen. Natur, Bewegung, regionale Lebensmittel, soziale Begegnungen und Räume für Erholung sind bereits vorhanden.

Im zweiten Teil stellt sich daher die Frage, wie diese Stärken gezielt genutzt werden können. Welche Gesundheitsangebote erwarten Gäste künftig? Wie können Tourismusbetriebe glaubwürdige Angebote schaffen? Und welche Verantwortung tragen Gemeinden und Regionen bei der Gestaltung gesundheitsfördernder Lebensräume?

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Wellness, Prävention und die neue Rolle des Tourismus

Einen für alpine Regionen und den Tourismus besonders relevanten Beitrag gestalteten Cornelia Rützler von der Tirol Werbung und Benedikt Hösl von der Universität Innsbruck. Im Mittelpunkt standen Wellness, Prävention und zukünftige Entwicklungspotenziale für Tirol.

Gesundheit wurde dabei als gesellschaftlicher Megatrend beschrieben. Gleichzeitig verändert sich das Verständnis von Wellness.

Im Mittelpunkt steht zunehmend nicht mehr das reine Verwöhnangebot. Gefragt sind vielmehr ganzheitliche Konzepte, die Prävention, Regeneration, mentale Erholung, Schlafqualität, Naturverbundenheit, gesunde Kulinarik und menschliche Beziehungen miteinander verbinden.

Vorgestellt wurden fünf Trends mit besonderem Potenzial für Tirol und andere alpine Regionen:

1. Wachsende Nähe zur Natur

Viele Menschen suchen einen Ausgleich zum hektischen und urbanen Alltag. Natur wird zum Gegenpol zu Reizüberflutung, digitaler Dauerpräsenz und permanenter Beschleunigung.

2. Gesunder Genuss

Kulinarik und Gesundheit sollen nicht im Widerspruch zueinander stehen. Genuss wird bewusster, regionaler und stärker mit persönlichem Wohlbefinden verbunden.

3. Mentale Erholung

In einer digital geprägten Welt gewinnen innere Balance, Rückzugsmöglichkeiten und bewusste Auszeiten zunehmend an Bedeutung.

4. Schlafqualität

Erholung wird umfassender verstanden. Guter Schlaf entwickelt sich zu einem zentralen Bestandteil moderner Gesundheits- und Tourismusangebote.

5. Menschliche Verbindung

Trotz technologischer Innovationen bleibt die persönliche Begegnung ein entscheidender Faktor für Wohlbefinden und Lebensqualität.

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Positive Wirkungen eines Tirol-Urlaubs

Ergänzend wurden Ergebnisse der ATiReg-Studie vorgestellt. Darin wurden Veränderungen verschiedener Gesundheitsparameter im Verlauf eines Tirol-Urlaubs untersucht.

Urlaubsgäste wurden zu mehreren Zeitpunkten befragt. Die Ergebnisse zeigten positive Veränderungen beim allgemeinen Wohlbefinden, beim Stresserleben, bei der Lebensqualität und bei der Schlafqualität. Einige dieser Wirkungen waren teilweise sogar zwei Wochen nach dem Urlaub noch erkennbar.

Bemerkenswert war außerdem, dass sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen Kurz- und Langurlauben zeigten. Einen positiven Zusammenhang gab es dagegen zwischen der wahrgenommenen Naturbelassenheit und dem Wohlbefinden der Gäste.

Daraus ergeben sich konkrete Entwicklungsmöglichkeiten für alpine Destinationen. Touristische Angebote könnten künftig noch stärker auf folgende Bereiche ausgerichtet werden:

-Naturnähe und Ruhe,
-Stressmanagement,
-mentale Regeneration,
-Schlafqualität,
-regionale und gesunde Kulinarik,
-bewussten Rückzug aus dem Alltag.

Auch die Zwischensaison könnte dadurch neu positioniert werden – nicht nur als günstigere Reisezeit, sondern als bewusste Zeit für Erholung, Regeneration und Gesundheitsförderung.

Longevity im Tourismus: Zusatzangebot mit Potenzial

In der anschließenden Paneldiskussion mit Elisabeth Gürtler vom Alpin Resort Sacher Seefeld-Tirol und Franz-Josef Pirktl vom Alpenresort Schwarz wurde erörtert, welche Rolle die Hotellerie im Bereich Prävention und Longevity übernehmen kann.

Dabei wurde deutlich: Longevity kann mehr als ein kurzfristiger Trendbegriff sein, sofern entsprechende Angebote glaubwürdig und professionell umgesetzt werden.

Gleichzeitig muss Longevity nicht zum zentralen Thema jedes Hotels werden. Es kann vielmehr als ergänzendes Angebot verstanden werden, das bestehende Stärken eines Betriebs sinnvoll erweitert.

Elisabeth Gürtler beschrieb Longevity als Angebot für Menschen, die grundsätzlich gesund sind, ihre Gesundheit aber bewusst erhalten und fördern möchten. Dazu können mentale Angebote wie Yoga oder Programme zur persönlichen Reflexion gehören, aber auch medizinisch-diagnostische Elemente und eine hochwertige Küche mit Naturprodukten.

Franz-Josef Pirktl betonte ebenfalls die Verbindung aus Bewegung, mentaler Entspannung, therapeutischen Angeboten und medizinischen Analysen.

Gleichzeitig müssen Rentabilität und Positionierung realistisch geprüft werden. Longevity-Angebote können neue Gästeschichten ansprechen, sollten aber zur Identität, Kompetenz und Zielgruppe des jeweiligen Betriebs passen.

Für alpine Betriebe liegt darin eine besondere Chance. Sie müssen Gesundheit nicht künstlich erfinden. Viele wichtige Elemente sind bereits vorhanden: Natur, Bewegung, Ruhe, hochwertige und regionale Lebensmittel, Raum für Regeneration und persönliche Betreuung.

Die zentrale Aufgabe besteht darin, diese Elemente glaubwürdig und qualitativ hochwertig miteinander zu verbinden.

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Gesundheit muss unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigen

Am späteren Nachmittag rückte Prof.in (FH) Eva-Maria Jabinger die Frauengesundheit in Tirol in den Mittelpunkt. Auf Grundlage der Frauengesundheitsstrategie Tirol zeigte sie, wo Versorgungslücken bestehen und welche psychosozialen Faktoren künftig stärker berücksichtigt werden müssen.

Themen wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, fehlende Betreuungsmöglichkeiten, reproduktive Gesundheit und geschlechtsspezifische Unterschiede in der medizinischen Versorgung machten deutlich: Gesundheitsförderung funktioniert nicht nach dem Prinzip „one size fits all“.

Unterschiedliche Zielgruppen haben unterschiedliche Bedürfnisse, Belastungen und Zugänge zu Präventions- und Gesundheitsangeboten.

Gesundheitsförderung muss daher konkrete Lebensrealitäten berücksichtigen und darf nicht von einem vermeintlichen Durchschnittsmenschen ausgehen. Frauengesundheit wurde als Beispiel dafür sichtbar, wie wichtig differenzierte und zielgruppengerechte Prävention ist – von der medizinischen Versorgung über psychosoziale Unterstützung bis zu alltagsnahen Entlastungsangeboten.

Diese Erkenntnis ist auch für den Tourismus relevant. Gesundheitsangebote müssen klar definieren, wen sie ansprechen und welche Bedürfnisse sie erfüllen sollen. Ein allgemeines Wellnessprogramm kann nicht automatisch alle Zielgruppen gleichermaßen erreichen.

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Gesunde Gemeinden: Prävention beginnt vor Ort

Zum Abschluss stellte Mag. (FH) Jeannine Hermann von der Standortagentur Tirol das Programm „Gesunde Gemeinde“ vor. Damit wurde das Thema Gesundheit noch einmal auf die lokale und regionale Ebene übertragen.

Gesundheitsförderung gelingt besonders dort, wo engagierte Menschen vor Ort Projekte umsetzen, Netzwerke aufbauen und konkrete Angebote entwickeln.

Interessant war die Erkenntnis, dass finanzielle Unterstützung nicht immer das wichtigste Anliegen der Beteiligten ist. Häufig besteht ein größerer Bedarf an:

  • Sichtbarkeit,
  • Vernetzung,
  • fachlichem Austausch,
  • Unterstützung bei der Kommunikation,
  • besserer Vermarktung bereits bestehender Initiativen.

Damit schloss sich der inhaltliche Kreis des Kongresses. Gesundheit entsteht nicht nur durch medizinische Versorgung, sondern durch alltagstaugliche Strukturen – in Gemeinden, Betrieben, Familien, Tourismusregionen, Vereinen und öffentlichen Räumen.

Was VITALPIN aus dem Kongress mitnimmt

Der erste Gesundheitskongress Tirol hat gezeigt: Gesundheit ist ganzheitlich zu betrachten. Körper, Psyche, Ernährung, Bewegung, soziale Beziehungen, Umwelt und Alltag wirken eng zusammen.

Für VITALPIN und das Jahresthema „VITAMIN Alpen“ wird dabei das Potenzial des alpinen Raums deutlich. Die Alpen fördern Bewegung, Naturerlebnisse, Erholung und Begegnung. Bergsport kann die körperliche und psychische Gesundheit stärken und die Lebensqualität verbessern.

Auch Tourismus, Gemeinden und regionale Betriebe können einen wichtigen Beitrag zur Prävention leisten – mit authentischen, naturnahen Angeboten und gesundheitsfördernden Lebensräumen, die Gästen wie Einheimischen zugutekommen.

Damit bleibt die Frage, wie der alpine Raum nachhaltig zur Gesundheit und Lebensqualität beitragen kann, ein wichtiges Zukunftsthema für VITALPIN.

Über die Autorin

Über die Autorin

Maya An der Lan Hochbrunn ist seit 2026 Teil des VITALPIN-Teams und begleitet im Office- und Projektmanagement Projekte für einen nachhaltigen Tourismus im Alpenraum. Dabei beschäftigt sie sich insbesondere mit dem Jahresthema „VITAMIN Alpen“, das die positiven Auswirkungen von Bergsport und Aufenthalten in den Bergen auf die Gesundheit beleuchtet. Nach ihrem Magisterstudium der Internationalen Wirtschaftswissenschaften an der Universität Innsbruck absolvierte sie ein Volontariat am AußenwirtschaftsCenter Peking, wo sie erste berufliche Einblicke in Tourismusthemen gewann. Die gebürtige Innsbruckerin reist gerne und hat durch ihre Arbeit zugleich ihre Begeisterung für die Natur und Vielfalt der Alpen neu entfacht.

Vitalpin