VITALPIN beim ersten Gesundheitskongress Tirol: Teil 2
Gesundheit als Zukunftschance: Neue Aufgaben für Tourismus und alpine Regionen
Wellness, Prävention und die neue Rolle des Tourismus
Einen für alpine Regionen und den Tourismus besonders relevanten Beitrag gestalteten Cornelia Rützler von der Tirol Werbung und Benedikt Hösl von der Universität Innsbruck. Im Mittelpunkt standen Wellness, Prävention und zukünftige Entwicklungspotenziale für Tirol.
Gesundheit wurde dabei als gesellschaftlicher Megatrend beschrieben. Gleichzeitig verändert sich das Verständnis von Wellness.
Im Mittelpunkt steht zunehmend nicht mehr das reine Verwöhnangebot. Gefragt sind vielmehr ganzheitliche Konzepte, die Prävention, Regeneration, mentale Erholung, Schlafqualität, Naturverbundenheit, gesunde Kulinarik und menschliche Beziehungen miteinander verbinden.
Vorgestellt wurden fünf Trends mit besonderem Potenzial für Tirol und andere alpine Regionen:
1. Wachsende Nähe zur Natur
Viele Menschen suchen einen Ausgleich zum hektischen und urbanen Alltag. Natur wird zum Gegenpol zu Reizüberflutung, digitaler Dauerpräsenz und permanenter Beschleunigung.
2. Gesunder Genuss
Kulinarik und Gesundheit sollen nicht im Widerspruch zueinander stehen. Genuss wird bewusster, regionaler und stärker mit persönlichem Wohlbefinden verbunden.
3. Mentale Erholung
In einer digital geprägten Welt gewinnen innere Balance, Rückzugsmöglichkeiten und bewusste Auszeiten zunehmend an Bedeutung.
4. Schlafqualität
Erholung wird umfassender verstanden. Guter Schlaf entwickelt sich zu einem zentralen Bestandteil moderner Gesundheits- und Tourismusangebote.
5. Menschliche Verbindung
Trotz technologischer Innovationen bleibt die persönliche Begegnung ein entscheidender Faktor für Wohlbefinden und Lebensqualität.
Positive Wirkungen eines Tirol-Urlaubs
Ergänzend wurden Ergebnisse der ATiReg-Studie vorgestellt. Darin wurden Veränderungen verschiedener Gesundheitsparameter im Verlauf eines Tirol-Urlaubs untersucht.
Urlaubsgäste wurden zu mehreren Zeitpunkten befragt. Die Ergebnisse zeigten positive Veränderungen beim allgemeinen Wohlbefinden, beim Stresserleben, bei der Lebensqualität und bei der Schlafqualität. Einige dieser Wirkungen waren teilweise sogar zwei Wochen nach dem Urlaub noch erkennbar.
Bemerkenswert war außerdem, dass sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen Kurz- und Langurlauben zeigten. Einen positiven Zusammenhang gab es dagegen zwischen der wahrgenommenen Naturbelassenheit und dem Wohlbefinden der Gäste.
Daraus ergeben sich konkrete Entwicklungsmöglichkeiten für alpine Destinationen. Touristische Angebote könnten künftig noch stärker auf folgende Bereiche ausgerichtet werden:
-Naturnähe und Ruhe,
-Stressmanagement,
-mentale Regeneration,
-Schlafqualität,
-regionale und gesunde Kulinarik,
-bewussten Rückzug aus dem Alltag.
Auch die Zwischensaison könnte dadurch neu positioniert werden – nicht nur als günstigere Reisezeit, sondern als bewusste Zeit für Erholung, Regeneration und Gesundheitsförderung.
Longevity im Tourismus: Zusatzangebot mit Potenzial
Gesundheit muss unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigen
Am späteren Nachmittag rückte Prof.in (FH) Eva-Maria Jabinger die Frauengesundheit in Tirol in den Mittelpunkt. Auf Grundlage der Frauengesundheitsstrategie Tirol zeigte sie, wo Versorgungslücken bestehen und welche psychosozialen Faktoren künftig stärker berücksichtigt werden müssen.
Themen wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, fehlende Betreuungsmöglichkeiten, reproduktive Gesundheit und geschlechtsspezifische Unterschiede in der medizinischen Versorgung machten deutlich: Gesundheitsförderung funktioniert nicht nach dem Prinzip „one size fits all“.
Unterschiedliche Zielgruppen haben unterschiedliche Bedürfnisse, Belastungen und Zugänge zu Präventions- und Gesundheitsangeboten.
Gesundheitsförderung muss daher konkrete Lebensrealitäten berücksichtigen und darf nicht von einem vermeintlichen Durchschnittsmenschen ausgehen. Frauengesundheit wurde als Beispiel dafür sichtbar, wie wichtig differenzierte und zielgruppengerechte Prävention ist – von der medizinischen Versorgung über psychosoziale Unterstützung bis zu alltagsnahen Entlastungsangeboten.
Diese Erkenntnis ist auch für den Tourismus relevant. Gesundheitsangebote müssen klar definieren, wen sie ansprechen und welche Bedürfnisse sie erfüllen sollen. Ein allgemeines Wellnessprogramm kann nicht automatisch alle Zielgruppen gleichermaßen erreichen.
Gesunde Gemeinden: Prävention beginnt vor Ort
Zum Abschluss stellte Mag. (FH) Jeannine Hermann von der Standortagentur Tirol das Programm „Gesunde Gemeinde“ vor. Damit wurde das Thema Gesundheit noch einmal auf die lokale und regionale Ebene übertragen.
Gesundheitsförderung gelingt besonders dort, wo engagierte Menschen vor Ort Projekte umsetzen, Netzwerke aufbauen und konkrete Angebote entwickeln.
Interessant war die Erkenntnis, dass finanzielle Unterstützung nicht immer das wichtigste Anliegen der Beteiligten ist. Häufig besteht ein größerer Bedarf an:
- Sichtbarkeit,
- Vernetzung,
- fachlichem Austausch,
- Unterstützung bei der Kommunikation,
- besserer Vermarktung bereits bestehender Initiativen.
Damit schloss sich der inhaltliche Kreis des Kongresses. Gesundheit entsteht nicht nur durch medizinische Versorgung, sondern durch alltagstaugliche Strukturen – in Gemeinden, Betrieben, Familien, Tourismusregionen, Vereinen und öffentlichen Räumen.
Was VITALPIN aus dem Kongress mitnimmt
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