VITALPIN beim ersten Gesundheitskongress Tirol
Warum die Alpen ein besonderer Gesundheitsraum sind
Ein Kongress, der Brücken baut
Wenn Erfahrungen körperlich spürbar werden
Den ersten fachlichen Schwerpunkt setzte Univ.-Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Christian Schubert von der Medizinischen Universität Innsbruck mit seinem Vortrag zur Psychoneuroimmunologie. Er zeigte, wie stark psychische und soziale Erfahrungen biologische Prozesse beeinflussen können.
Stress, Emotionen, Beziehungen und Alltagserlebnisse wirken sich nicht nur auf das subjektive Wohlbefinden aus. Sie können auch Entzündungsprozesse, Immunreaktionen und körperliche Beschwerden beeinflussen.
Prof. Schubert sprach in diesem Zusammenhang vom sogenannten „6. Sinn“ des Körpers: Der Körper kann Veränderungen und Belastungen teilweise wahrnehmen, bevor sie bewusst erklärt oder eindeutig als Krankheit erkannt werden.
In integrativen Einzelfallstudien untersucht Prof. Schubert mit seinem Team, wie biologische, psychologische und soziale Faktoren im tatsächlichen Alltag zusammenwirken. Über mehrere Wochen werden körperliche Parameter wie Cortisol oder Immunmarker gemessen und mit persönlichen Erfahrungen, Emotionen und besonderen Ereignissen der Teilnehmenden in Verbindung gebracht.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass individuell unterschiedliche Stressfaktoren vergleichbare Reaktionen im Immunsystem auslösen können. Gefühle wie Angst, Wut, Trauer, Einsamkeit oder anhaltende Sorgen können das Immunsystem belasten und Entzündungsprozesse beeinflussen. Gleichzeitig können positive Erlebnisse und stabile soziale Beziehungen dabei helfen, Stressreaktionen zu regulieren und das Immunsystem zu stärken.
Für den Alpenraum ist dieser Ansatz besonders relevant. Wenn Emotionen, Erfahrungen und soziale Kontakte körperliche Prozesse beeinflussen, erhalten Bewegung, Naturerlebnisse und Bergsport eine zusätzliche Bedeutung.
Ein Tag am Berg, gemeinsames Wandern, Skifahren, Bewegung in der Natur oder bewusstes Durchatmen sind dann nicht nur Formen der Freizeitgestaltung. Sie können Teil eines gesundheitsfördernden Lebensstils sein.
Bewegung als „Vitamin S“
Einen besonders direkten Bezug zum VITALPIN-Jahresthema „VITAMIN Alpen“ stellte Univ.-Prof. Dr. med. Anne Hecksteden, Professorin für Training und Gesundheitsförderung, her.
Sie machte deutlich, dass sich die Menschen in Tirol zu wenig bewegen. Beispielsweise verbringen 37 Prozent der Tirolerinnen und Tiroler täglich mindestens 6,5 Stunden im Sitzen. Als wesentliche Gründe für den Bewegungsmangel wurden Zeitmangel und fehlende Motivation genannt.
Dabei zählt regelmäßige Bewegung zu den wirksamsten Maßnahmen für Gesundheit, Prävention, Regeneration und gesundes Altern.
Besonders einprägsam war die Beschreibung von Bewegung als „Vitamin S“. Bewegung wirkt wie ein Multimedikament und beeinflusst zahlreiche Gesundheitskonstanten (siehe Bild).
Gleichzeitig vermittelte Prof. Hecksteden eine entlastende Botschaft: Es gibt nicht das eine perfekte Training. Entscheidend ist, eine Bewegungsform zu finden, die Freude macht und dauerhaft in den Alltag integriert werden kann.
Nach den vorgestellten Empfehlungen sollten sich Erwachsene pro Woche entweder etwa 150 Minuten moderat oder 60 Minuten intensiv bewegen. Auch eine Kombination ist möglich. Ergänzend wird zweimal pro Woche Krafttraining empfohlen.
Für alpine Regionen ist diese Erkenntnis von besonderer Bedeutung. Die Alpen bieten natürliche Bewegungsräume: Wanderwege, Berge, Pisten, Radstrecken, Seen, Wälder und öffentliche Räume, die körperliche Aktivität ermöglichen.
Bergsport verbindet Bewegung mit Naturerlebnissen, sozialem Austausch und mentaler Erholung. Genau deshalb kann Bewegung in den Alpen zu einem wichtigen Gesundheitsfaktor werden.
Gesundheit ist auch Beziehung
Vom Boden zum Teller: Ernährung beginnt bei der Umwelt
Von den gesundheitlichen Grundlagen zur praktischen Umsetzung
ÜBER DIE AUTORIN
Weitere interessante Beiträge
Newsletter
Abonnieren Sie unseren Newsletter, um mehr über unsere Arbeit zu erfahren.
Jetzt anmelden