Blog | VITALPIN beim ersten Gesundheitskongress Tirol

VITALPIN beim ersten Gesundheitskongress Tirol

VITALPIN beim ersten Gesundheitskongress Tirol
Maya An der Lan Hochbrunn 28. Juli 2026

Warum die Alpen ein besonderer Gesundheitsraum sind

Am 18. Juni 2025 fand in der Villa Blanka in Innsbruck der erste Gesundheitskongress Tirol statt. Auch VITALPIN war vor Ort und konnte zahlreiche Impulse für das Jahresthema „VITAMIN Alpen“ mitnehmen.

Eine zentrale Erkenntnis zog sich durch die unterschiedlichen Beiträge des Kongresses: Gesundheit wird nicht erst im Krankenhaus relevant und lässt sich nicht auf einzelne medizinische Maßnahmen reduzieren. Sie entsteht viel früher – im Alltag, im sozialen Umfeld, durch Ernährung und Bewegung, in der Natur und durch die Art, wie Menschen mit Belastungen umgehen.

Gerade aus dieser ganzheitlichen Perspektive wird der alpine Raum besonders interessant. Die Alpen sind nicht nur Lebens-, Wirtschafts- und Tourismusraum. Sie können gleichzeitig ein wertvoller Gesundheitsraum sein.

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Ein Kongress, der Brücken baut

Eröffnet wurde der erste Gesundheitskongress Tirol von Martin Reiter, Geschäftsführer der Lebensraum Tirol Holding GmbH. Bereits in der Begrüßung wurde deutlich, worum es an diesem Tag gehen sollte: um Vernetzung, Austausch und das Bauen von Brücken zwischen den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren des Gesundheitswesens sowie angrenzender Branchen.

Auch Tirols Landesrätin Dr. Cornelia Hagele, zuständig für Gesundheit, Pflege, Bildung sowie Wissenschaft und Forschung, unterstrich in ihrer Videobotschaft die Bedeutung neuer Impulse für ein gesundes Tirol. Gesundheitspolitik, medizinische Versorgung und Prävention stehen vor komplexen Herausforderungen. Umso wichtiger sei es, Gesundheit nicht ausschließlich aus einer Perspektive zu betrachten, sondern neue Denkweisen zuzulassen.

Daran knüpfte Dr. Theresa Geley, Gesundheitsdirektorin für Tirol, an. Ihre zentrale Aussage lautete: Prävention ist wichtig, sie allein macht aber noch nicht gesund. Entscheidend ist das Gesamtbild.

Gesundheit entsteht aus vielen Bausteinen – aus individuellen Verhaltensweisen, dem persönlichen Lebensumfeld, Beziehungen, Bewegung, Ernährung, psychischer Stabilität und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Der Kongress verstand Gesundheit daher nicht als rein medizinisches Thema, sondern als Zusammenspiel körperlicher, psychischer, sozialer und ökologischer Faktoren.

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Wenn Erfahrungen körperlich spürbar werden

Den ersten fachlichen Schwerpunkt setzte Univ.-Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Christian Schubert von der Medizinischen Universität Innsbruck mit seinem Vortrag zur Psychoneuroimmunologie. Er zeigte, wie stark psychische und soziale Erfahrungen biologische Prozesse beeinflussen können.

Stress, Emotionen, Beziehungen und Alltagserlebnisse wirken sich nicht nur auf das subjektive Wohlbefinden aus. Sie können auch Entzündungsprozesse, Immunreaktionen und körperliche Beschwerden beeinflussen.

Prof. Schubert sprach in diesem Zusammenhang vom sogenannten „6. Sinn“ des Körpers: Der Körper kann Veränderungen und Belastungen teilweise wahrnehmen, bevor sie bewusst erklärt oder eindeutig als Krankheit erkannt werden.

In integrativen Einzelfallstudien untersucht Prof. Schubert mit seinem Team, wie biologische, psychologische und soziale Faktoren im tatsächlichen Alltag zusammenwirken. Über mehrere Wochen werden körperliche Parameter wie Cortisol oder Immunmarker gemessen und mit persönlichen Erfahrungen, Emotionen und besonderen Ereignissen der Teilnehmenden in Verbindung gebracht.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass individuell unterschiedliche Stressfaktoren vergleichbare Reaktionen im Immunsystem auslösen können. Gefühle wie Angst, Wut, Trauer, Einsamkeit oder anhaltende Sorgen können das Immunsystem belasten und Entzündungsprozesse beeinflussen. Gleichzeitig können positive Erlebnisse und stabile soziale Beziehungen dabei helfen, Stressreaktionen zu regulieren und das Immunsystem zu stärken.

Für den Alpenraum ist dieser Ansatz besonders relevant. Wenn Emotionen, Erfahrungen und soziale Kontakte körperliche Prozesse beeinflussen, erhalten Bewegung, Naturerlebnisse und Bergsport eine zusätzliche Bedeutung.

Ein Tag am Berg, gemeinsames Wandern, Skifahren, Bewegung in der Natur oder bewusstes Durchatmen sind dann nicht nur Formen der Freizeitgestaltung. Sie können Teil eines gesundheitsfördernden Lebensstils sein.

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Bewegung als „Vitamin S“

Einen besonders direkten Bezug zum VITALPIN-Jahresthema „VITAMIN Alpen“ stellte Univ.-Prof. Dr. med. Anne Hecksteden, Professorin für Training und Gesundheitsförderung, her.

Sie machte deutlich, dass sich die Menschen in Tirol zu wenig bewegen. Beispielsweise verbringen 37 Prozent der Tirolerinnen und Tiroler täglich mindestens 6,5 Stunden im Sitzen. Als wesentliche Gründe für den Bewegungsmangel wurden Zeitmangel und fehlende Motivation genannt.

Dabei zählt regelmäßige Bewegung zu den wirksamsten Maßnahmen für Gesundheit, Prävention, Regeneration und gesundes Altern.

Besonders einprägsam war die Beschreibung von Bewegung als „Vitamin S“. Bewegung wirkt wie ein Multimedikament und beeinflusst zahlreiche Gesundheitskonstanten (siehe Bild).

Gleichzeitig vermittelte Prof. Hecksteden eine entlastende Botschaft: Es gibt nicht das eine perfekte Training. Entscheidend ist, eine Bewegungsform zu finden, die Freude macht und dauerhaft in den Alltag integriert werden kann.

Nach den vorgestellten Empfehlungen sollten sich Erwachsene pro Woche entweder etwa 150 Minuten moderat oder 60 Minuten intensiv bewegen. Auch eine Kombination ist möglich. Ergänzend wird zweimal pro Woche Krafttraining empfohlen.

Für alpine Regionen ist diese Erkenntnis von besonderer Bedeutung. Die Alpen bieten natürliche Bewegungsräume: Wanderwege, Berge, Pisten, Radstrecken, Seen, Wälder und öffentliche Räume, die körperliche Aktivität ermöglichen.

Bergsport verbindet Bewegung mit Naturerlebnissen, sozialem Austausch und mentaler Erholung. Genau deshalb kann Bewegung in den Alpen zu einem wichtigen Gesundheitsfaktor werden.

Gesundheit ist auch Beziehung

Ein weiterer Schwerpunkt des Kongresses lag auf der Bedeutung sozialer Faktoren. Univ.-Prof. Dr. Dipl.-Psych. Anna Buchheim, Leiterin des Forschungszentrums „Gesundheit und Prävention“, zeigte, wie wichtig Bindungen und Beziehungen für die Gesundheit über die gesamte Lebensspanne hinweg sind.

Soziale Beziehungen beeinflussen die Stressregulation, die psychische Widerstandsfähigkeit, das Immunsystem, Entzündungsprozesse und sogar Alterungsprozesse. Schwache soziale Bindungen können sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Gute Beziehungen können dagegen stabilisieren und stärken.

Auch dieser Aspekt ist für alpine Regionen relevant. Bergsport und Bewegung in der Natur sind häufig soziale Erlebnisse: beim gemeinsamen Wandern, beim Skifahren mit Familie oder Freunden, bei Vereinsaktivitäten, geführten Touren oder Begegnungen innerhalb einer Gemeinde.

Die gesundheitliche Wirkung entsteht daher nicht allein durch die körperliche Bewegung. Sie entsteht auch durch Verbindung, Zugehörigkeit und gemeinsame Erfahrungen.

Der alpine Raum wird damit nicht nur als Naturraum, sondern auch als sozialer Gesundheitsraum sichtbar.

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Vom Boden zum Teller: Ernährung beginnt bei der Umwelt

Eine weitere Perspektive brachte Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. med. univ. Mag. Dr. rer. nat. Martin Grassberger in seinem Vortrag „Vom Boden zum Teller“ ein. Er zeigte, warum gesunde Ernährung bei gesunden Böden beginnt.

Im Mittelpunkt stand das Zusammenspiel von Bodenqualität, Biodiversität, Mikrobiom, Ernährung und menschlicher Gesundheit. Die Qualität des Bodens beeinflusst, welche Stoffe Pflanzen aufnehmen. Die Zusammensetzung der Pflanzen beeinflusst wiederum, welche Nährstoffe Menschen über ihre Ernährung erhalten.

Die Aussage „Du bist, was du isst“ bekommt dadurch eine zusätzliche Dimension: Die menschliche Gesundheit ist auch von der Qualität der Umwelt abhängig, aus der unsere Nahrungsmittel stammen.

Ernährung, Landwirtschaft, Umwelt und Gesundheit lassen sich deshalb nicht voneinander trennen. Suboptimale Ernährung wurde als eines der weltweit größten Gesundheitsrisiken beschrieben. Als praktischer Richtwert wurde empfohlen, möglichst vielfältig zu essen – beispielsweise etwa 30 unterschiedliche pflanzliche Lebensmittel pro Woche. Auch Gewürze können dabei mitgezählt werden.

Für VITALPIN ist dieser Zusammenhang besonders bedeutsam. Alpine Regionen stehen für Natur, regionale Lebensmittel, Landwirtschaft, Biodiversität und Kulinarik. Werden diese Bereiche bewusst gestaltet und erhalten, tragen sie nicht nur zur regionalen Wertschöpfung, sondern auch zu Gesundheit und Lebensqualität bei.

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Von den gesundheitlichen Grundlagen zur praktischen Umsetzung

Die Beiträge des Gesundheitskongresses zeigen, wie eng körperliche Gesundheit, psychisches Wohlbefinden, Bewegung, Beziehungen, Ernährung und Umwelt miteinander verbunden sind.

Damit stellt sich jedoch eine weitere Frage: Wie können Tourismusbetriebe, Gemeinden und alpine Regionen diese Erkenntnisse konkret nutzen? Welche Gesundheitsangebote werden künftig gefragt sein? Und welche Rolle können Wellness, Prävention, Regeneration und Longevity im alpinen Tourismus spielen?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich der zweite Teil unserer Zusammenfassung des ersten Gesundheitskongresses Tirol.

ÜBER DIE AUTORIN

ÜBER DIE AUTORIN

Maya An der Lan Hochbrunn ist seit 2026 Teil des VITALPIN-Teams und begleitet im Office- und Projektmanagement Projekte für einen nachhaltigen Tourismus im Alpenraum. Dabei beschäftigt sie sich insbesondere mit dem Jahresthema „VITAMIN Alpen“, das die positiven Auswirkungen von Bergsport und Aufenthalten in den Bergen auf die Gesundheit beleuchtet. Nach ihrem Magisterstudium der Internationalen Wirtschaftswissenschaften an der Universität Innsbruck absolvierte sie ein Volontariat am AußenwirtschaftsCenter Peking, wo sie erste berufliche Einblicke in Tourismusthemen gewann. Die gebürtige Innsbruckerin reist gerne und hat durch ihre Arbeit zugleich ihre Begeisterung für die Natur und Vielfalt der Alpen neu entfacht.

Vitalpin